Lean-Stimmen aus der Praxis - Folge 4
Unsere LinkedIn-Serie soll Menschen in den Vordergrund rücken, die sich intensiv mit dem Lean-Ansatz beschäftigen. Es wird vielerorts häufig über Methoden und Theorien gesprochen. Aber hier geht es in jeder Folge um Menschen, die Lean in die Tat umsetzen!
Heute möchten wir euch aus unserem Netzwerk Klaus Beulker von Uhlmann Pac-Systeme vorstellen. Er arbeitet dort als Leiter Industrial Engineering und Montage und greift auf einen großen Erfahrungsschatz in der Industrie zurück. Seine inspirierenden Bücher über den Lean-Ansatz sind weit über die Lean-Community hinaus bekannt und geschätzt. Unsere drei Fragen an Klaus:
1️⃣ Was begeistert dich am Lean-Gedanken?
Klaus: Der Lean-Gedanke ist wie eine kristalline Skulptur. Immer wenn er aus einer anderen Perspektive ins Licht gehalten wird, taucht etwas auf, das die Skulptur und damit die Bedeutung von Lean bereichert. Lean lässt sich nicht aneignen. Jeder Versuch der Aneignung ist eine Veränderung seiner Bedeutung. Im Ringen um Bedeutung verändert sich Identität. Die Identität des Kundenproblems, des Produktes als Lösung, des Prozesses zur Herstellung, des Lean Managements als Ordnungsrahmen und die des Betrachters. Hier entstehen zwei Leitprinzipien: 1. Wert für den Kunden zu schaffen und 2. die Weiterentwicklung von Lean mit den Menschen zu gestalten. Letzteres darf nicht auf ein besseres Funktionieren und Zur-Verfügung-Stehen reduziert werden. Er soll sich in seiner Gesamtheit weiterentwickeln.
2️⃣ Welchen Unterschied macht Lean bei euch im Unternehmen?
Klaus: Die Anwendung der Lean-Tools eröffnet uns die Möglichkeit, außergewöhnliche Ergebnisse zu erzielen. Hierzu bedarf es eines strukturierten Vorgehens, das dem Training im Fitnessraum gleicht. Zudem organisieren wir funktionsübergreifende Teamarbeit. Der Fokus auf das zu lösende Kundenproblem, das Aushalten unterschiedlicher Perspektiven und eine klare Orientierung an Qualität, Liefertreue und Durchlaufzeit bilden dabei unseren Ordnungsrahmen. Entscheidend ist, diese Perspektiven bei den Menschen nicht durch immer weitere, miteinander konkurrierende Ziele zu verwässern.
3️⃣ Wie wichtig ist Lean für den Standort Deutschland?
Klaus: Lean ist für den Standort Deutschland wichtiger denn je. Lean erinnert uns daran, dass die Lösung des Kundenproblems im Zentrum unseres Denkens stehen muss. Diese Lösung lässt sich nicht herbeimanagen. Lean erinnert uns auch daran, unserer Kunstfertigkeiten wieder bewusst zu werden. Wir brauchen das Zusammenspiel zwischen gut ausgebildeten Werkern und Ingenieuren. Wir müssen im Wertstrom nicht nur Material- und Informationsflüsse darstellen, sondern ebenso Entscheidungs-, Wissens- und Geldflüsse. In einer globalen Wertschöpfungskette fließen Wissen und Kapital. Entscheidend sind nicht allein Anlagen, Technologien und finanziellen Mittel, sondern die Menschen, die mit ihrem Wissen und unterschiedlichen Perspektiven kreative Lösungen entwickeln können und dürfen.
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